Organic Trio | Jazz Konzert am 28. Oktober, 19:30 Uhr

Organic Trio | Jazz Konzert am 28. Oktober, 19:30 Uhr

Schon nach den ersten Takten ist klar, die geschürte Erwartungshaltung wird nicht enttäuscht werden. Seine durch und durch amerikanische Spielweise, die vor allem im Soul und Blues der Südstaaten verwurzelt ist, ist völlig authentisch: kurze prägnante Melodien, funkige Riffs, dann wieder flüssige und tief emotionale Soli, immer dunkel/geheimnisvoll und frei von Pathos und Klischees – schlichtweg großartig!

Zuletzt spielte das Trio im März in Köln auf. Peter Tümmers, als Fotograf in der Kölner Jazz Szene unterwegs und bekannt, besuchte zwei der drei Konzerte und hat einen Erlebnis Bericht verfasst, der keine Fragen offen lässt:
“Brian Seeger Organic Trio am 2. März 2015 im Heimathirsch, Köln-Nippes
Diese Woche war der amerikanische Gitarrist Brian Seeger mit seinem europäischen Organic Trio Jean-Yves Jung an der Hammond und Paul Wiltgen, drums, in Köln zu Gast. Gespielt wurde an drei aufeinanderfolgenden Abenden in den bekannten Szene-Clubs ABS-Bar, im Nippeser Heimathirsch und dem Salon de Jazz, Südstadt.
Ich habe die beiden letztgenannten Konzerte besucht.
In den Vorankündigungen wurde Brian Seeger als “einer der besten New Orleans-Gitarristen” angepriesen. New Orleans gilt immerhin als die Stadt, in der der Jazz erfunden wurde, da macht sich natürlich eine gewisse Erwartungshaltung breit …
Schon nach den ersten Takten wird klar, dass Brian tatsächlich eine durch und durch amerikanische Spielweise pflegt, die vor allem im Soul und Blues der Südstaaten verwurzelt ist. Ich habe den amerikanischen Souljazz der 60er und frühen 70er Jahre immer als einen unübertroffenen Höhepunkt der Jazzgeschichte betrachtet und liebe die Platten von Grant Green, Melvin Sparks, Dr. Lonnie Smith, Lou Donaldson, Idris Muhammad usw. Das Organic Trio steht ganz in dieser Tradition: funkiger Souljazz, extrem groovy, mit einem Höchstmaß an Farbe und Emotion.
Brians völlig authentisches Spiel ist eine wirkliche Offenbarung: kurze prägnante Melodien, funkige Riffs, dann wieder flüssige und tief emotionale Soli, immer dunkel/geheimnisvoll und frei von Pathos und Klischees – schlichtweg großartig! Die obige Aussage “einer der besten in New Orleans” erscheint mir nun etwas untertrieben, vor allem wenn man weiß, dass Brian seit einiger Zeit die Gitarrenprofessur an der ehrwürdigen University of New Orleans inne hat.
Seine beiden Mitstreiter stehen dem in nichts nach. Mit einer Hammond-Orgel kann man, falsch angewandt, den Sound eines Trios regelrecht zukleistern. Nicht so Jean-Yves Jung – der Franzose kann aus dem behäbigen Monstrum Klänge hervorzaubern, die direkt ins Herz gehen – mal rhythmisch-füllige Teppiche legend, dann wieder feinsinnig-melodische Begleitlinien bis hin zum furiosen Solo ; kurzum: ich habe selten einen so ausdrucksstarken Organisten gehört!
Der aus Luxembourg stammende Paul Wiltgen ist für diese Art von Musik genau der richtige Schlagzeuger – dynamisch, funky, immer auf dem Punkt, ebenfalls internationales Niveau.
Dieses Organic Trio ist nicht nur ein Orgeltrio, sondern tatsächlich eine perfekt eingespielte, “organisch zusammengewachsene” Einheit, die ihr Spiel jederzeit nahtlos in alle Richtungen entwickeln und feinste Nuancen herausarbeiten kann, ohne den großen Bogen je zu verlieren.”

Ein Streifzug durch amerikanische Musikgeschichte, geerdete Musik aus einer Jazz-Region, die für Ursprünglichkeit steht, sich den Charme des Altbewährten erhalten hat, aber auch offen ist für Erneuerungsprozesse, Platz lässt für Individualität.
Brian Seeger ist ein Jazzgitarrist, der mit seinem konzentrierten, manchmal lyrischem Spiel jenseits der Blockakkorde dem Publikum den Atem nimmt. Er interpretiert Geschichte mit fantastischen musikalischen Einfällen, er macht amerikanische Musikhistorie erlebbar. Es ist die musikalische Vielfalt New Orleans, die er entstehen lässt, die den Raum einnimmt, wenn der warme, klare oder melancholische Klang ertönt oder freudig, mitreißende Rhythmen den Konzertraum erbeben lassen und die Zuhörer in verzückte gymnastische Bewegungen geraten.
Warum Brian Seeger als ein wesentlicher Bestandteil der noch immer dynamischen Jazzgemeinschaft von New Orleans gilt, wird bei seinen Konzerten mehr als deutlich. Die Ursprünglichkeit und Originalität „alter“ Musik versteht er glänzend mit neuen Einfällen zu verbinden.
Brian Seeger entpuppt sich als ein Meister der „Blue Notes“, als ein Magier des „Bluesfeeling“, der es versteht, verschiedene Musikrichtungen par excellence zu verschmelzen. Tiefgründigen melodischen Improvisationen folgen scheinbar schwerelose Läufe, die an den Big Easy erinnern. Dann wieder beginnt ein langsamer musikalischer Fluss in Reminiszenz an die Cajun Kultur und Musik. Der folgende Tune weckt aus einer tiefen Verträumtheit rockige Klänge.
Es ist ein Hin- und Weg-Erlebnis, wenn der Gitarrist mit klassischer Grifftechnik wundervolle Begleitakkorde zu seinen improvisierten Linien erzeugt. Ein schmelzender, satter Sound zieht durch den Raum,  geprägt von Harmonik und Melodik, der tief im Blues und der amerikanischen Rootsmusik sowie in den Klängen der Straßen von New Orleans verankert ist.

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